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Schulkinder und Jugendliche: Eltern wollen das Beste für sie

Ich behaupte, dass fast alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen. Die meisten Mütter und Väter wünschen sich aus meiner Erfahrung, dass aus ihren Kindern „etwas wird“ und sie eine gute Ausbildung bekommen, die es ihnen einmal ermöglichen wird, ein glückliches Leben zu führen. Was auch immer „glücklich“ dabei für jeden einzelnen bedeuten mag. Dafür sind viele Eltern sogar bereit, ein zweites Mal mit ihren Kindern  quasi die Schulbank zu drücken. Sie lernen oft jahrelang fleißig mit, um den Nachwuchs bestmöglich zu fördern und zu unterstützen.

Alle müssen sich wohlfühlen

Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, solange sich alle an diesem Prozess Beteiligten wohlfühlen. Doch oft gehen viele Eltern dabei über ihre eigenen Grenzen und auch über die der Kinder. Der Schulalltag ist in vielen Familien durch Konflikte zwischen Eltern und Kindern geprägt. Die Schule beherrscht nicht selten das Familienleben fast rund um die Uhr, oft sogar in den Ferien. Viele Eltern erleben die Schulzeit ihrer Kinder als ein „Da muss man durch“. Es entsteht vielfach ein Gefühl von ausgeliefert sein. Doch ich meine, dass diese Lebensphase zu wertvoll ist, um sie einfach nur auszusitzen. Sie bietet eine unglaubliche Chance für die persönliche Weiterentwicklung – vor allem für Eltern, die bereit sind, sich und ihr Tun zu hinterfragen und zu wachsen.Denn die Schulzeit der eigenen Kinder hat ein riesiges Potential, sich selbst besser kennenzulernen.

Erster Schritt: Mit welcher Absicht unterstütze ich mein Kind?

Bei der Beantwortung dieser Frage können dich die folgenden Gedanken unterstützen. Bitte setze dich dafür entspannt hin, erlaube dir schonungslos ehrlich zu sein und beobachte deine Reaktion, wenn du die folgenden Sätze liest. Markiere die Sätze, die ein Gefühl – welcher Art auch immer – in dir auslösen!Gute Eltern müssen mit ihren Kindern lernen.Mein Kind schafft das nicht ohne meine Hilfe.

  • Gute Eltern müssen mit ihren Kindern lernen.
  • Mein Kind schafft das nicht ohne meine Hilfe.
  • Ich leide mit meinem Kind mit, wenn es schlechte Noten hat.
  • Wenn ich mein Kind nicht motiviere, dann wird es nie fertig.
  • Gute Noten sind die Voraussetzung für beruflichen Erfolg.
  • Ich unterstütze mein Kind sehr gerne bei seinen Schulaufgaben, weil ich wieder Neues erfahre.
  • Ich möchte meinem Kind Frust und Kränkung ersparen.
  • Die Lehrer|innen erwarten, dass alle Hausaufgaben richtig sind.
  • Wenn mein Kind gute Noten hat, bin ich eine gute Mutter/ein guter Vater.
  • Alle Eltern in meinem Bekanntenkreis lernen mit ihren Kindern.
  • Ich freue mich sehr, wenn mein Kind an seinen Herausforderungen wächst und ich unterstütze es meist liebevoll und entspannt.
  • Die Lehrer|innen wollen, dass wir zu Hause alles kontrollieren.
  • Ich möchte nicht, dass mein Kind eine Klasse wiederholen muss.
  • Ich helfe meinem Kind, wenn es mich fragt und Unterstützung braucht.
  • Wenn mein Kind schlechte Noten bekommt, habe ich als Vater/Mutter versagt.
  • Mein Kind soll es einmal besser haben als ich.
  • Ich hätte mir in meiner Schulzeit mehr Unterstützung durch meine Eltern gewünscht.
  • Ich bin für den Schulerfolg meines Kindes verantwortlich.
Zweiter Schritt: In welcher Form unterstützt du dein Kind?

Ob die Form deiner Unterstützung für dich und dein Kind die passende ist, kannst du leicht an der Anzahl der Konflikte analysieren, die ihr zum Thema Schule habt. Daher lade ich dich ein, über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen zu beobachten und aufzuschreiben, wie oft ihr beim Thema Schule in Streit geratet. Was ist jeweils der Grund dafür? Lade auch dein Kind zu dieser Beobachtung ein.

Häufige Auslöser für schulische Konflikte

Dein Kind …

  • lernt in deinen Augen zu wenig
  • strengt sich zu wenig an
  • vergisst ständig Dinge in der Schule und weiß nicht, was am Nachmittag zu tun ist
  • kann sich nicht motivieren, seine schulischen Dinge zu erledigen
  • macht die Hausübungen nicht oder nur schlampig
  • konzentriert sich nicht genug
  • kann beim Lernen nicht ruhig sitzen, sondern geht herum
  • will seine schulischen Belange allein erledigen. Doch du willst helfen, damit es schneller geht oder damit es keine Fehler macht
  • nimmt deine Tipps nicht an, obwohl es dich um Unterstützung gebeten hat
  • findet, es hat seine Dinge bereits erledigt. Du bist aber anderer Meinung
  • braucht aus deiner Sicht zu lange für seine schulischen Erledigungen. „Es trödelt die ganze Zeit.“
  • Du wirst ungeduldig, weil dein Kind „das“ doch schon können müsste oder diese Fehler nicht mehr machen dürfte.

Wenn dir einige der obigen Gründe bekannt vorkommen, dann frage dich, ob vielleicht die Form deiner Unterstützung ein Grund für die Konflikte sein könnte.

Glaubenssätze zum Thema Schule

Bist du vielleicht der Meinung:

  • „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Heißt: Dein Kind darf erst spielen, wenn es alles erledigt hat.
  • Am Abend werden keine Hausaufgaben mehr gemacht.
  • Beim Lernen muss man ruhig sitzen bleiben.
  • Hausübungen müssen konzentriert und schnell erledigt werden.
  • Wir haben am Nachmittag etwas vor, daher muss mein Kind vorher alles erledigen.
  • Du willst, dass dein Kind die Aufgaben in seinem Zimmer erledigt, doch dein Kind möchte das gerne in deiner Nähe machen (oder umgekehrt).

Die Form ist also die Art und Weise, wie Eltern glauben, dass ihre Kinder schulische Dinge erledigen müssen. Doch sehr oft passt diese Form der Eltern nicht zu den Bedürfnissen ihrer Kinder. Daher gilt es, gemeinsam mit diesen herauszufinden, was jeder braucht, damit sich die Beziehung von Eltern und Kindern beim Thema Schule wieder kann.

Ich lade euch ein, eure Absicht und Form in den nächsten Wochen zu erforschen, und freue mich wie immer über eure Fragen und Kommentare.
Herzliche Grüße
Eure

Ines Berger

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